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25. Oktober 07 Sprengstoffattentat auf Armeetransport im Swat-TalSchwerer Zwischenfall mit zahlreichen Toten und Verletzten überschattet den Beginn einer Militäroffensive im Hindukuschvon Jorge Scholz | |
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Bei der Explosion eines mit Munition beladenen LKWs eines pakistanischen Truppenkonvois sind am 25. Oktober, knapp eine Woche nach dem blutigen Bombenattentat in Karachi auf die aus dem Exil zurückgekehrte Benazir Bhutto, erneut 20 Menschen bei einem Anschlag getötet und weitere 36 zum Teil schwer verletzt worden. Unter den Opfern seien auch unbeteiligte Zivilisten, hieß es in ersten Berichten. Die Wucht der Detonation, die sich in einem belebten Bazarviertel ereignete, habe zudem zahlreiche Gebäude und Autos zerstört, so weiter. Der Vorfall ereignete sich laut Agenturmeldungen in Mingora, dem Verwaltungszentrum des Swat-Distriktes in der North West Frontier Province (NWFP). Der genaue Tathergang blieb aufgrund widersprüchlicher Behördenangaben zunächst unklar. Während Polizeiquellen in ersten Stellungnahmen von einem Selbstmordattentat ausgingen, nannte ein Armeesprecher einen ferngezündeten Sprengsatz, der am Wegesrand in einem Auto deponiert gewesen sei, als Auslöser des Blutbades. Erst am Vortag hatte die vor wenigen Wochen nach der Entlassung des gewählten Landeskabinetts unter Führung des islamistischen Parteienbündnis MMA von Staatschef Musharraf eingesetzte Übergangsregierung der NWFP eine Verdoppelung der im Swat-Tal stationierten Sicherkräfte auf insgesamt 5.000 Mann angekündigt. Wie aus einer vom Innenminister der Provinz, Badshah Gul Wazir, in der Landeshauptstadt Peshawar eilig einberufenen Pressekonferenz hervorging, handele es sich bei der Verstärkung nicht um reguläre Truppen der Armee, sondern um Kontingente provinzeigener Polizeieinheiten der Frontier Constabulary sowie paramilitärischer Frontier Corps. Weitere Verbände des Heeres seien zwar angefordert aber vorerst noch nicht in Marsch gesetzt, ließ der Politiker durchblicken. Ziel der Operation sei es, den Distrikt Swat wieder vollständig unter staatliche Kontrolle zu bekommen, die Aktivitäten militanter Kräfte in einem Teil dieser Region zu beenden und die besorgniserregende Sicherheitslage dort zu stabilisieren. Zu diesem Zweck habe man auf absehbare Zeit sämtliche Schulen geschlossen, an strategisch wichtigen Punkten Kontrollposten eingerichtet und den Distrikt rundum hermetisch abgeriegelt. Mini-Theokratie hinter hohen Bergen |
Auf die Ereignisse rund um die Besetzung der Roten Moschee in Islamabad und die anschließende blutige Erstürmung durch Sicherheitskräfte im Juli diesen Jahres reagierte der Geistliche mit der Ausrufung des Jihad gegen Präsident Musharraf und ordnete seinen Kämpfern, die von regionalen Beobachtern auf 5.000 bis 6.000 Bewaffnete geschätzt werden, Schießbefehl auf Armeeangehörige an. In der Folge kam es in der Hochgebirgsregion, die in friedlicheren Zeiten zu den attraktivsten Touristenzielen Pakistans zählte, zu einer Serie von Terroranschlägen gegen Sicherheitskräfte, bei der insgesamt 43 Menschen starben und über 100 verletzt wurden.
"Mullah Radio" bleibt auf Sendung Schwiegersohn Fazlullah, dem nun ein ähnliches Schicksal droht, scheint nach dem Eindruck von Beobachtern bereits in den Untergrund abgetaucht zu sein. Sein illegaler Radiosender, mit dem der rührige Gottesgelehrte auch über die Grenzen Pakistans hinaus mit der Ausstrahlung von Al Qaida-Botschaften zu einiger Berühmtheit gelangte und ihm den Spitznamen "Mullah Radio" einbrachte, ist allerdings nach wie vor auf Sendung. Der zwischen den Fronten stehenden Bevölkerung bleibt unterdessen nichts anderes übrig, als mit Bangen den weiteren Verlauf der Ereignisse abzuwarten. Denn sollten die im Tal zusammengezogenen Sicherheitskräfte den Angriff auf die Milizen, die ihr Hauptquartier in einer Schule inmitten eines Wohngebietes aufgeschlagen haben, tatsächlich wagen, droht ein Blutbad: mit möglicherweise weit reichenden und schwer zu kalkulierenden Auswirkungen für die derzeit in ganz Pakistan gefährlich aufgeladene politische Atmosphäre. Ein Beispiel für die Existenz solcher Wechseleffekte zwischen verschiedenen Konflikten lieferte bereits die Pressekonferenz des neuen Imams der Roten Moschee in Islamabad, Amir Siddiqi, die dieser zur Kommentierung der aktuellen Vorgänge im Swat nutzte. So beschuldigte der Kleriker laut einem Agenturbericht nicht nur die bei dem Bombenanschlag ums Leben gekommenen Uniformträger als "Ungläubige" und beschuldigte die Regierung, im Dienste der Interessen der USA eigene Bürger zu töten, sondern sagte Maulana Fazlullah und seinen Leuten im Swat "jede erdenkliche Unterstützung" zu - ausdrücklich auch als Dank für dessen Beistand bei der Besetzung der Roten Moschee durch militante Studenten im Sommer diesen Jahres. |
Schwere Kämpfe zwischen pakistanischen Truppen und islamistischen Milizen im Swat-TalIn Reaktion auf den blutigen Anschlag am Vortag auf einen Truppenkonvoi ("Pakistan Aktuell" berichtete) haben Einheiten der jüngst im nordpakistanischen Swat-Tal stationierten Sicherheitskräfte der Regierung am 26. Oktober die auf einem Schulgelände verschanzten Milizen des Islamisten-Führers Maulana Fazlullah eingekesselt und liefern sich mit diesen seit den frühen Morgenstunden schwere Gefechte. Dies berichtet aus der Krisenregion der Korrespondent der französischen Nachrichtenagentur AFP. Unter Berufung auf einen lokalen Polizeioffizier heißt es weiter, die Aufständischen leisteten erbitterten Widerstand. Weitere Einzelheiten oder Berichte unabhängiger Beobachter stehen bislang noch aus. Das schwer zugängliche Hindukush-Tal wurde im Vorfeld der aktuellen Operationen von den Sicherheitskräften systematisch abgeriegelt. | |